Warum Rechtsschutz gerade jetzt relevant ist
Wenn Sie diesen Artikel lesen, stehen Sie wahrscheinlich vor einer Kündigung oder haben gerade eine erhalten. Die Frage, die sich sofort stellt: Soll ich einen Anwalt einschalten?
Die Antwort ist fast immer: Ja. Arbeitnehmer mit anwaltlicher Vertretung erzielen statistisch 1,5- bis 2-fach höhere Abfindungen. Das Problem: Anwälte kosten Geld. Eine Erstberatung liegt bei 200–300 Euro, eine Kündigungsschutzklage schnell bei 2.000–5.000 Euro.
Eine Arbeitsrechtsschutzversicherung übernimmt diese Kosten — und macht den Anwalt damit kostenlos.
Was deckt ein Arbeitsrechtsschutz ab?
Ein typischer Arbeitsrechtsschutz-Tarif umfasst:
- Anwaltskosten: Erstberatung, außergerichtliche Verhandlung, Schriftverkehr
- Gerichtskosten: Klagen vor dem Arbeitsgericht (1. und 2. Instanz)
- Sachverständigenkosten: Falls ein Gutachten nötig wird
- Mediationskosten: Alternative Streitbeilegung
Was ist NICHT abgedeckt?
- Streitigkeiten die vor Versicherungsbeginn entstanden sind (Wartezeit beachten!)
- Vorsätzliche Straftaten am Arbeitsplatz
- Reine Gehaltsverhandlungen (das ist kein Rechtsstreit)
Was kostet ein Arbeitsrechtsschutz?
Die monatlichen Kosten variieren je nach Anbieter und Tarif:
| Anbieter | Monatsbeitrag (ca.) | Selbstbeteiligung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| ARAG | ab 15–25 €/Mo | 0–150 € | Stufenprogramm, telefonische Erstberatung kostenlos |
| HanseMerkur | ab 12–20 €/Mo | 150–250 € | Hoher EPC, breit gefächert |
| Roland | ab 18–28 €/Mo | 0–250 € | Lange Tradition, guter Ruf |
Zum Vergleich: Eine Kündigungsschutzklage ohne Versicherung kostet 2.000–5.000 Euro. Der Rechtsschutz zahlt sich also schon beim ersten Fall aus.
Wartezeit — die wichtigste Falle
Die meisten Arbeitsrechtsschutz-Tarife haben eine Wartezeit von 3 Monaten. Das bedeutet: Wenn Sie den Rechtsschutz erst nach Erhalt der Kündigung abschließen, greift er nicht für diese Kündigung.
Fazit: Ein Arbeitsrechtsschutz lohnt sich am meisten, wenn Sie ihn vorsorglich abschließen — bevor es zum Streit kommt. Wenn Sie bereits gekündigt wurden, kann ein Rechtsschutz trotzdem sinnvoll sein — für zukünftige Streitigkeiten und als Investition in Ihre Absicherung.
Lohnt sich das? Eine Rechnung
Szenario: 10 Jahre Betriebszugehörigkeit, 4.000 € Bruttogehalt
| Ohne Anwalt | Mit Anwalt |
|---|---|
| Regelabfindung (Faktor 0,5): 20.000 € | Verhandelt (Faktor 1,0): 40.000 € |
| Anwaltskosten: 0 € | Anwaltskosten: 3.000 € (ohne Rechtsschutz) |
| Netto: 20.000 € | Netto: 37.000 € |
Der Anwalt bringt Ihnen 20.000 Euro mehr und kostet 3.000 Euro. Mit Rechtsschutz kostet er 0 Euro (außer der Selbstbeteiligung von 0–250 Euro).
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Worauf Sie beim Abschluss achten sollten
- Wartezeit: Je kürzer, desto besser. Manche Tarife bieten 0 Monate bei bestimmten Rechtsgebieten.
- Selbstbeteiligung: 0 Euro ist ideal, aber 150 Euro sind akzeptabel bei niedrigem Beitrag.
- Deckungssumme: Mindestens 300.000 Euro (Standard bei den meisten Anbietern).
- Telefonische Erstberatung: Viele Anbieter bieten kostenlose Rechtsberatung am Telefon — nutzen Sie das.
- Kein Abschluss unter Druck: Nehmen Sie sich Zeit für den Vergleich.
Alternativen zum Rechtsschutz
Falls Sie keinen Rechtsschutz haben und bereits gekündigt wurden:
- Prozesskostenhilfe: Wenn Ihr Einkommen niedrig ist, übernimmt der Staat die Anwaltskosten (§114 ZPO)
- Gewerkschaft: Gewerkschaftsmitglieder haben Anspruch auf kostenlosen Rechtsschutz
- Erstberatung: Eine anwaltliche Erstberatung kostet maximal 190 Euro netto (§34 RVG) — und lohnt sich fast immer
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich den Rechtsschutz nach der Kündigung abschließen?
Ja, aber die Wartezeit gilt. Die aktuelle Kündigung ist dann nicht abgedeckt. Für zukünftige Streitigkeiten ist der Rechtsschutz aber sofort sinnvoll.
Steigt mein Beitrag nach einem Rechtsstreit?
Bei den meisten Anbietern: Nein. Arbeitsrechtsschutz hat keine Schadenfreiheitsklassen wie die Kfz-Versicherung.
Brauche ich einen Rechtsschutz auch als Beamter?
Beamte können nicht ordentlich gekündigt werden. Ein Arbeitsrechtsschutz ist für Beamte daher weniger relevant — kann aber bei Disziplinarverfahren helfen.
Stand: April 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Versicherungsberatung. Anzeige: Diese Seite enthält Affiliate-Links zu Rechtsschutzversicherungen. Bei Abschluss erhalten wir eine Provision.